Ich bin SPD-Mitglied, weil der Sozialstaat erhalten, aber auch reformiert werden muss, und weil ich die gute Arbeit der SPD in Worms unterstützen möchte.

Florian Gerster
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Erinnerung an Maueropfer durch Kranzniederlegung in Berlin wach gehalten

Carlo RivaDer Wormser Stadtrat Carlo Riva (Mitglied des SPD Ortsverein Worms-Mitte) erinnerte in Berlin an dieses traurige Kapitel deutscher Geschichte. Durch die Kranzniederlegung am Gedenkkreuz für Philipp Held, einem Maueropfer aus Worms, soll das Vergessen bekämpft werden. In einem Text schildert Carlo seine Beweggründe und den Verlauf der Niederlegung in Berlin:

"Bereits seit vielen Jahren interessiere ich mich für die Vergangenheit unseres Landes und stieß auf die Geschichte von Philipp Held. Seit meinem Aufenthalt in Berlin im Jahre 1972 ließ mich dieses Thema auch nicht mehr los und ich beschäftigte mich mit den Maueropfern und deren persönlichen Schicksalen.
Es war mir wichtig, dass wir diese Opfer nie wieder vergessen, nie wieder dürfen wir erlauben das Mauern, Völker die zusammengehören trennen, Familien auseinandergerissen werden und Leben und Freiheit zerstört wird. Mein Wunsch ist es, das Lehrer in unseren wormser Schulen und überall in unserem Land damit anfangen, bei der Behandlung dieses denkwürdigen Themas mit ihren Schülern auch über Philipp Held zu sprechen, einem wormser Maueropfer. Vielleicht liegt dann die tragisch geschichtliche Aufarbeitung des Themas nicht mehr so weit zurück und weg, sondern wird zu einem eigenen Anliegen das Schüler dazu anregt alle Mauern des Misstrauens und der Unfreiheit sowie des Rassismus in den Köpfen niederzureißen, ja bereits im Vorfeld zu stoppen und befähigt uns “Brückenbauer” statt “Mauerbauer” zu werden.

Die Einladung nach Berlin am 2. Juli 2010 beim Sommerfest des neuen Bundespräsidenten, gab mir die Gelegenheit einen Kranz an sein Gedenkkreuz niederzulegen.
Der Wormser Philipp Held (* 2. Mai 1942 in Worms; † April 1962 in Berlin) war ein Todesopfer an der Berliner Mauer. Er ertrank bei der Flucht in der Spree zwischen Berlin-Friedrichshain und Kreuzberg.
Ein zur Spree gerichtetes Kreuz der Gedenkstätte Weiße Kreuze am Reichstagsufer erinnert heute auch an ihn. Mehr zum Leben und Tod von Phillip Held finden Sie bei Wikipedia

Auf Grund der Würdigung, der Ehre und des Respektes den wir auch unseren verstorbenen Bürger entgegenbringen müssen, gerade denen die auf tragische Weise unter einem totalitären Regime umgekommen sind, war es mir wichtig Philipp Held aus Worms zu gedenken.
Nur die Menschen die wir vergessen haben sind wirklich Tod. Wir sollten die tragische Geschichte von Philipp Held als Mahnung für alle Menschen die die Freiheit lieben bewahren, damit wir verstehen, dass Demokratie uns die Freiheit schenkt, die wir brauchen um unsere Persönlichkeiten und Freiheiten zu entfalten. Es ist aber auch wichtig, dass wir verstehen, dass der Mut Freiheit zu bewahren auch Opfer kosten kann. Vielleicht wäre die Mauer nie gebaut worden wenn sich die Menschen aus West und Ost, Berliner und Nichtberliner geschlossen in einer Menschenkette auf den späteren Mauerverlauf friedlich aufgestellt hätten.
Es heißt, Philipp Held wäre bei der Überquerung von der Spree an der Stelle zwischen Kreuzberg und Berlin Friedrichshain umgekommen. Wahrscheinlich ist das nicht der Fall, da Philipp Held ein junger und kräftiger Mann und die Spree an dieser Stelle nicht breit oder gefährlich war. In den meisten Fällen in denen eine Leiche von einem Fluchtopfer sofort verbrannt worden ist, handelte es sich um erschossene, erschlagene oder gefolterte Opfer bei denen die Staatsmacht der DDR eine Gewalteinwirkung von außen vertuschen wollte. Die Mutter von Philipp Held hat mit Recht die Medien und die Presse um Hilfe gebeten. Doch dieses Regime verschwieg wie die vielen Opfer und Vermissten die auf Grund der Mauer nie wieder auftauchten. Die 262 Maueropfer spiegeln lediglich die registrierte Zahl wieder, die Dunkelziffer liegt bei fast 1000 Personen die in diesem Zeitraum umkamen.



Jede Stadt in Deutschland sollte Ihrer Bürger genauso gedenken die durch diese tragische Weise bei der Flucht aus diesem stalinistischem System ums Leben gekommen sind, wie das Datum des 13. August 1961, dem Tag des Mauerbaus, der Väter und Mütter von ihren Kindern, Familien, Freunde und Nachbarn tragisch trennte. Die Flucht aus diesem besetzten Teil Deutschlands kostete zu viele Menschen das Leben.
Schulen, Lehrer und Schüler sollten diese Geschichte neu aufarbeiten und daraus lernen. Die Mauern die wir heute finden, sind in unseren Köpfen und sollten niedergerissen werden. Mauern die verhindern, dass Menschen zueinander finden, Mauern der Vorurteile, Mauern des Hasses und des Neids und Missgunst, Mauern die unsere Sicht für das Wesentliche verdecken, ja verdunkeln. Philipp Helds Tod ist eine Herausforderung an uns die Tragödie des geschichtlichen Aspektes zu verstehen und daraus Schlüsse zu ziehen.
Philipp Held war unter den ersten Maueropfern, entsprechend finden wir auch sein Gedenkkreuz direkt zwischen Reichstag und Brandenburger Tor. Menschen laufen täglich daran vorbei. Gerade als ich den Kranz an das Kreuz von Philipp Held hing, blieben viele Menschen stehen und stellten mir die Frage wer den Philipp Held gewesen sei. Ich berichtete von seinem Leben, seiner Flucht und seinem Tod. Danach sah ich in viele betroffene und nachdenkliche Gesichter. Ein Mann aus Bayern lass die Aufschrift „Der SPD Ortsverein Worms gedenkt der Maueropfer“ und sagte: „..Die SPD macht wenigstens noch was für diese Opfer“.

Nun, Sozialdemokraten sind sicherlich nicht die einzigen, die dieser Opfer gedenken, jedoch glaube ich fest daran, dass jeder aufrechte Demokrat ungeachtet seiner Partei, die Unfreiheit eines diktatorischen Regimes hasst und daraus sein Engagement und das Feuer gewinnt sich für die Menschen seines Landes einzusetzen. Ich glaube, dass es das Wert ist, sein Leben für andere einzusetzen, damit niemals wieder Terror, Angst, Ausbeutung und Diktatur die Menschen beherrschen."



Carlo Riva, ital. Staatsbürger, SPD Stadtrat, Migrationsbeirat der Stadt Worms und des Landes RLP (AGARP)